Tom Schüppler
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· 6 Min Lesezeit

Wo KI nichts bringt

Abstrakter Kontrast aus Licht und Schatten als Sinnbild für Grenzen von KI

Eine unbeliebte Meinung von jemandem, der gerade KI in ein Unternehmen bringt: KI hilft nicht überall. Und das auszusprechen ist wichtiger als jedes Versprechen.

Wo sie stark ist

Bei klaren, wiederkehrenden Aufgaben mit viel Text oder Daten ist KI richtig gut. Ein paar Beispiele, die sich in der Praxis bewährt haben:

Protokolle und Zusammenfassungen. Eine Stunde Besprechung wird zu einer halben Seite Beschlüssen und Aufgaben. Das spart pro Woche spürbar Zeit, und das Ergebnis ist oft strukturierter als das handgeschriebene Original.

Entwürfe nach Muster. Die erste Fassung einer Mail, einer Dokumentation, einer Produktbeschreibung. Nicht die finale, die erste. Der Mensch macht aus achtzig Prozent hundert, statt bei null zu starten.

Strukturiertes Herausziehen. Aus einem Stapel PDF-Dokumente die immer gleichen Felder in eine Tabelle. Stumpfe Arbeit, bei der Menschen Fehler machen, weil sie sich langweilen, und Maschinen keine, weil sie sich nicht langweilen können.

Wiederholung im Code. Boilerplate, Tests, Routinemuster. Das Handwerkliche wird schneller, damit mehr Zeit für das Schwierige bleibt: Architektur und Entscheidungen.

Das Muster dahinter: Es gibt eine erkennbare Struktur, viel Volumen, und ein Mensch schaut am Ende drüber. Dann spielt KI ihre Stärke aus.

Wo sie nur Aufwand ist

Bei allem, was echtes Urteilsvermögen, Verantwortung oder Fingerspitzengefühl braucht, ist KI ein Werkzeug, kein Ersatz. Auch hier konkret:

Entscheidungen, für die jemand geradesteht. Eine Einstellung, eine Kündigung, eine Investition, eine Diagnose. KI kann Material zuliefern, aber sie trägt keine Verantwortung, und wer so tut, als könnte sie das, delegiert nur die Schuld.

Sensible Themen zwischen Menschen. Ein Konfliktgespräch, ein schwieriges Kundenthema, alles, wo der Ton wichtiger ist als der Inhalt. Ein generierter Text, dem man das Generierte anmerkt, richtet hier mehr Schaden an als gar keiner.

Alles ohne Prüfschleife. KI produziert selbstbewusst Unsinn, wenn niemand kontrolliert. Ein Prozess, in dem KI-Ergebnisse ungeprüft nach außen gehen, ist keine Automatisierung, sondern ein Risiko mit Zeitverzögerung.

Der Fall, der sich nicht lohnt. Manchmal ist die Aufgabe so selten oder so klein, dass das Einrichten, Prüfen und Pflegen der KI-Lösung mehr kostet, als die Handarbeit je gekostet hat. Nicht jede Fünf-Minuten-Aufgabe braucht ein System.

Drei Fragen als Test

Wenn ich einschätzen soll, ob sich KI für eine Aufgabe lohnt, reichen meist drei Fragen:

  1. Gibt es ein Muster? Wiederholt sich die Aufgabe in erkennbar ähnlicher Form, oder ist jeder Fall anders?
  2. Kann das Ergebnis geprüft werden? Gibt es eine Person oder eine Regel, die Fehler abfängt, bevor sie Schaden anrichten?
  3. Was kostet ein Fehler? Eine falsch sortierte Datei ist ärgerlich. Eine falsche Zahl im Angebot ist teuer. Je höher der Preis eines Fehlers, desto enger gehört der Mensch in die Schleife.

Zweimal Ja und ein niedriger Fehlerpreis: bauen. Alles andere: genauer hinschauen, oder ehrlich lassen.

Warum ich das sage

Nicht weil ich zu wenig bauen will, sondern weil ehrliche Einordnung mehr Vertrauen schafft als jedes Versprechen. Wer nur die Stärken verkauft, verbrennt beim ersten enttäuschten Projekt das Vertrauen für alle folgenden.

KI hilft nicht überall gleich. Zu wissen wo, das ist der eigentliche Wert. Nicht das Tool, nicht das größte Modell, sondern die ehrliche Einordnung, was sich lohnt und was man sich sparen kann.