Ich habe einen ausgebauten Camper. Wenn er vor der Tür steht und das Wochenende frei ist, fahre ich weg. Genau dieses Gefühl wollte ich einmal in eine Website bekommen. Nicht beschreiben, sondern auslösen.
Herausgekommen ist eine Seite, die man nicht liest, sondern fährt. Ein roter Bulli steht auf einem Parkplatz zwischen grauen Autos. Beim Scrollen setzt er zurück, lenkt aus der Lücke und rollt los. Stadt, Felder, Küste. Am Strand wird er langsamer und parkt am Wasser. Die Schiebetür geht auf, eine Figur steigt aus, die Sonne versinkt im Meer.
Die erste Fassung fiel bei mir selbst durch
Version eins war eine Abfolge schöner Bilder. Ein Kapitel Stillstand, ein Kapitel Fahrt, ein Kapitel Küste, jedes für sich ordentlich animiert. Ich bin einmal durchgescrollt, und mein Urteil war: furchtbar.
Das klingt hart für etwas, das technisch funktioniert hat. Aber genau darin lag das Problem. Jedes Kapitel war ein eigenes Bild, und zwischen den Bildern passierte nichts. Der Bus stand im zweiten Bild woanders als im ersten, also musste ich die Strecke dazwischen selbst dazudenken. Was ich gebaut hatte, war eine Diashow mit Scrollbedienung.
Flyer oder Fahrt
Der Unterschied, den ich daraus mitgenommen habe, ist simpler als gedacht. Die meisten Websites sind Flyer. Sie bestehen aus Abschnitten, die untereinander liegen, und Scrollen heißt, den nächsten Abschnitt zu holen. Das ist für die allermeisten Zwecke völlig richtig.
Ein Erlebnis funktioniert anders. Es hat eine einzige durchgehende Bewegung mit Anfang, Fahrt und Ankunft. Scrollen holt nicht den nächsten Abschnitt, sondern spult die Zeit vor. Technisch ist das bei mir eine einzige Bühne, die beim Scrollen stehen bleibt, und eine Zeitleiste, die am Scrollrad hängt. Der Bus bleibt ungefähr in der Bildmitte, die Welt zieht in mehreren Ebenen unterschiedlich schnell an ihm vorbei, und der Himmel wandert über die gesamte Strecke von Mittagsblau in Abendgold.
Nichts daran ist neu. Neu war für mich die Entscheidung, keine Kapitel mehr zu bauen, sondern eine einzige Fahrt.
Warum der Bus gezeichnet ist und nicht generiert
Angefangen hatte ich mit generierten Bildern. Fotorealistischer Bulli, schönes Licht, sah gut aus. Verworfen habe ich das, weil jedes Bild einen anderen Bus zeigte. Mal war das Dach anders, mal die Fensterreihe, mal saß der Spiegel an einer anderen Stelle. Für ein einzelnes Poster ist das egal. Für eine Fahrt ruiniert es alles, weil man dann nicht mehr einem Bus folgt, sondern einer Reihe von Verwandten.
Also ist die ganze Seite gezeichnet. Flache Vektorformen, und der Bus besteht aus einzelnen Teilen, Karosserie, Fenster, Räder, Schiebetür. Die Räder drehen sich, weil sie eigene Elemente sind. Die Tür öffnet sich, weil sie eine eigene Form ist. Und über die komplette Strecke ist es exakt derselbe Bus.
Das nehme ich auch für alles andere mit, was ich baue. Sobald etwas eine Geschichte erzählt, ist Wiedererkennbarkeit wichtiger als Realismus. Ein gezeichneter Bus, der immer derselbe bleibt, trägt eine ganze Reise. Mehrere perfekt gerenderte Busse, die sich leicht unterscheiden, tragen gar nichts.
Die ehrliche Grenze
Diese Art Seite kann genau eine Sache, und für fast alles andere ist sie falsch. Wer wissen will, was etwas kostet und wann geöffnet ist, braucht keinen Film, sondern eine Zeile Text. Eine gepinnte Bühne frisst außerdem Bauzeit, die an anderer Stelle fehlt, und sie muss auf dem Handy genauso ruhig laufen wie am großen Bildschirm. Wer Bewegung im System abgeschaltet hat, bekommt bei mir ein stehendes Strandbild mit den Textzeilen darunter. Das gehört dazu, das ist kein Extra.
Und die Seite beantwortet keine Frage. Sie hat keinen Zweck außer dem Gefühl. Hier war das genau der Punkt, bei einem Kundenprojekt wäre es ein Luxus.
Wenn du wissen willst, ob es funktioniert, fahr die Strecke einmal selbst. Sie steht unter Losfahren, einmal scrollen bis ans Meer, mehr ist nicht zu tun.